Katheter-assoziierte Infektionen

Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen

Nosokomiale Infektionen (NI) machen einen erheblichen Teil der Krankheitslast durch Infektionen in entwickelten Industrieländern aus. Ihr Stellenwert nimmt durch den häufigeren Einsatz invasiver diagnostischer und therapeutischer Verfahren, den Anstieg des Durchschnittsalters der Bevölkerung, die Zunahme der Multimorbidität und durch die Behandlung von Patientinnen und Patienten1 mit beeinträchtigter Immunabwehr weiter zu. Hinzu kommt die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen bei wichtigen Erregern der NI, was die therapeutischen Optionen einschränkt. Ein substanzieller Teil der NI kann durch geeignete Präventionsmaßnahmen vermieden werden. ¹

Gefäßkatheter sind ein häufiger Bestandteil medizinischer Behandlung. Blutstrominfektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen, gehören zu den sechs häufigsten NI und stellen eine besonders schwere Manifestationsform dieser Gruppe von Infektionen dar. ¹

Definition

Mit „Katheter“ sind hier alle Arten von intravaskulären Zugängen gemeint, insbesondere zentralvenöse Katheter (ZVK), tunnelierte Katheter (Hickman, Broviac etc.) sowie implantierte Gefäßkatheter (z.B. Port-a-Cath etc.).
In der englischsprachigen Literatur werden Gefäßkatheter-assoziierte Infektionen als „catheter-related infection“ (CRI) oder „catheter-related bloodstream infection“ (CRBSI) bezeichnet.

Auf welchem Weg kann eine Katheterinfektion entstehen?

Eines der höchsten Risiken bei zentralvenösen Zugangssystemen ist die Infektion des Gefäßzugangs. Im Wesentlichen gibt es vier Ausgangspunkte der Gefäßkatheter-assoziierten Infektion:

Bei Katheteranlage
Bei der Insertion des Katheters werden Hautkeime und sonstige Erreger durch den Stichkanal ins Gewebe und Gefäßsystem verschleppt und besiedeln die Katheteroberfläche.

Extraluminäre Besiedelung
Erreger wandern über die Kathetereintrittsstelle entlang der Außenseite des Katheters ins Gewebe und Gefäßsystem und besiedeln die Katheteroberfläche.

Intraluminäre Besiedelung
Erreger wandern ausgehend vom Katheteransatzstück in das Innenlumen des Katheters und besiedeln die Katheteroberfläche.

Hämatogene Streuung
Ausgehend von einem katheterfernen Infektionsherd wandern Erreger über die Blutbahn zum Katheter und besiedeln die Katheteroberfläche.

 

Die wichtigsten Ziele und Maßnahmen der Infektionspräventionsstrategie um diese Infektionen zu vermeiden²

Aseptische Katheteranlage
– Adäquate Händedesinfektion
– Adäquate Hautdesinfektion
– Maximale Barrieremaßnahmen

Keine Besiedlung der innerhalb des Körpers gelegenen äußeren Oberfläche des ZVK
– Adäquate Händedesinfektion
– Steriler, sicher fixierter Verband
– Desinfektion der Einstichstelle beim Verbandwechsel

Keine Besiedlung der inneren Oberfläche des ZVK
– Diskonnektionen vermeiden
– Händedesinfektion bei allen Manipulationen am System
– Desinfektion der Konnektionsstellen bei Zugang zum System
– Adäquater Umgang mit Parenteralia

Keine Besiedlung der intravasal gelegenen äußeren Oberfläche des ZVK
– Adäquate Therapie von Infektionen

 

Was sagt die KRINKO-Empfehlung zur Prävention Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen?

Die Empfehlung ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden zunächst der Hintergrund (Gefäßkatheter als Quelle von Infektionen, Charakterisierung des Risikos), die Epidemiologie und die Risikofaktoren bzw. Risikopopulationen für Gefäßkatheter-assoziierte Infektionen sowie wichtige beeinflussbare Faktoren und Maßnahmen zur Beherrschung des Risikos dargestellt. Darauf basierend werden schließlich die Empfehlungen für die Prävention von Infektionen bei nicht getunnelten zentralvenösen Kathetern in einem eigenen Kapitel zusammengefasst. Der zweite Teil der Empfehlung widmet sich der Prävention von Infektionen in Zusammenhang mit der Anwendung von periphervenösen Verweilkanülen und arteriellen Kathetern. ¹

 

Quellen: ¹ rki.de; ² bvmed.de